DER PROZESSMANAGER: Im Jahr 2000 gründeten Sie zusammen mit Peter Leibfried die FAS AG. Das Unternehmen bietet unter anderem die Optimierung von Geschäftsprozessen und das Business Process Outsourcing (BPO) an. Welche Ziele haben Sie anfangs mit Geschäftsprozessen verfolgt, und welche heute? Warum kam es zu einer veränderten Zielsetzung?

Ingo Weber: Anfangs stand bei den Geschäftsprozessen häufig die Durchlaufgeschwindigkeit im Vordergrund, also die Prozessbeschleunigung. Dabei ging es hauptsächlich um grundsätzliche Veränderung der Prozesse und deren Optimierung. Inzwischen hat sich die Prozessgeschwindigkeit bei vielen Unternehmen bereits deutlich gesteigert und es geht um die Erhöhung der Prozessqualität sowie um die Automatisierung von Geschäftsprozessen – auch unter dem Aspekt der Ressourcenoptimierung. 

 

DER PROZESSMANAGER: Ihre Stuttgarter Beratung spezialisiert sich auf kleine und mittelständische Unternehmen. Wie unterscheidet sich das Geschäftsprozessmanagement bei diesen Unternehmen im Vergleich zu Großunternehmen?

Ingo Weber: Ich würde sagen, dass wir neben unseren Großkunden auch kleine und mittelständische Unternehmen beraten. Diese haben noch sehr viel mehr Basisarbeit hinsichtlich ihrer Prozesse zu leisten. So ist für viele der Einstieg in die Prozessoptimierung mit Basistechnologien wie Elektronischen Work Flows oder Elektronischen Dokumentenmanagementsystemen verbunden. Des Weiteren sind die Prozesse häufig nicht oder nur sehr rudimentär vorhanden und dokumentiert. Hier sind dann im ersten Schritt zuerst die Prozesse zu definieren und zu dokumentieren. Danach schließt sich die Optimierung der Prozesse an. Die Frage nach einem Internen Kontrollsystem („IKS“) ist bei KMU häufig mit einer Nullmeldung verbunden, wohingegen wir bei Großkonzernen schon wieder über das Thema Komplexitätsreduktion sprechen. 

DER PROZESSMANAGER: In Ihrer beruflichen Laufbahn konnten Sie bereits einige Erfahrungen in der Unternehmensberatung sammeln. An welches Projekt erinnern Sie sich gerne zurück und warum?

Ingo Weber: Das spannendste Projekt war sicherlich die weltweite Harmonisierung von Strukturen und Prozessen im Finanzbereich bei einem internationalen Touristikunternehmen. Neben der grundsätzlich spannenden Aufgabenstellung war insbesondere die Internationalität eine tolle Erfahrung und die Branche per se hatte im Bereich Change Management ihre speziellen Herausforderungen. 

DER PROZESSMANAGER: Die technologischen Entwicklungen sind rasant und verändern die Art, wie wir kommunizieren, arbeiten, lernen und leben. Wie hat sich Ihr Arbeitsalltag seit der Gründung der FAS AG verändert? 

Ingo Weber: Auf den Projekten war historisch häufig MS Excel das Mittel der Wahl. Inzwischen sind hier je nach Aufgabenstellung die verschiedensten IT-Tools im Einsatz. Auch die Kommunikation und die Mandatsarbeit per se hat sich dramatisch verändert. Remote Working wäre vor 10 oder 15 Jahren auf Grund der Datenleitungen undenkbar gewesen und ist heute gang und gäbe.   

DER PROZESSMANAGER:Welchen Stellenwert wird das Geschäftsprozessmanagement in den nächsten Jahren einnehmen?  

Ingo Weber: Durch die zunehmende Automatisierung von Prozessen und die Verarbeitung von Massendaten steigt immer mehr das Risiko von signifikanten Fehlern. Daher wir das Geschäftsprozessmanagement auch in den nächsten Jahren an Bedeutung weiter zunehmen. Schwerpunkte dürften aber die Prozessvereinfachung und die Prozesssicherheit werden. 

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